Das Fachgebiet

Papierrestaurierung ist ein wissenschaftlicher praxisorientierter Beruf. Durch die materielle Arbeit mit Kulturgut steht er in einem einzigartig direkten Bezug zu historischen Objekten. Papierrestauratoren sind wichtige Partner für öffentliche und private Sammlungen. In Museen, Archiven und Bibliotheken sind sie verantwortlich für die Erhaltung, Untersuchung und Instandsetzung unterschiedlichster schriftlicher und bildlicher Zeugnisse aus Kunst- und Kulturgeschichte auf Papier und Pergament.

Um was für Objekte und Materialien geht es? Papier und Pergament werden as Trägermaterialien seit rund 2000 Jahren vielfältig genutzt, für Handschriften, Druckgraphiken, Bücher, Pergamenturkunden, Zeichnungen, Plakate, Spielkarten, Papierkleider, Globen, Hutschachteln, Faltfächer und vieles mehr. Sie tragen unterschiedlichste Tuschen, Tinten, Stifte und sonstige Malmittel sowie eine Vielzahl graphischer Techniken, die jeweils besondere Erhaltungsstrategien erfordern.

Was für Spezialisierungen gibt es in der Papierrestaurierung? Papierrestauratoren sind heute als Experten in Fachgebieten spezialisiert. Der Name des Studiengangs weist auf die Spezialisierungen hin, die am Studiengang gelehrt und vertreten werden: die Restaurierung von Kunst auf Papier, von Archivgut und Bibliotheksgut.

Was macht den Beruf so interessant? Zu den restauratorischen Aufgabengebieten gehört die präventive Konservierung, die der Schadensprävention in der Lagerung, Nutzung und Transport gewidmet ist, die Sicherung bereits beschädigter Objekte zur Verhinderung weiterer Schäden, und die Restaurierung bzw. Instandsetzung, die über die notwendige Sicherung hinaus störende Spuren der Alterung verringert, um die Aussagekraft des Originals zu verbessern.

Restauratoren haben ein tiefgreifendes – historisch, naturwissenschaftlich und technisch orientiertes – Verständnis der Materialität historischer Objekte. Gefragt ist außerdem ein hohes Maß an Kreativität in der Steuerung aller restauratorischen Maßnahmen. Für alle Eingriffe, die direkt am Objekt erfolgen, sind hochspezialisierte manuelle Fähigkeiten erforderlich sowie ein ausgeprägtes Verständnis für die ebenso wichtigen Fragen der kulturhistorischen Bewertung gealterter Erscheinungsbilder; auch die Funktionalität beweglicher Objekte wie Büchern oder Fächern muss berücksichtigt werden. Restauratorische Ziele sind zudem gegenüber Auftraggebern oder Partnern in der Kulturguterhaltung und -nutzung zu vermitteln.

Gefragt sind in diesem Beruf ein tiefgehendes Interesse an differenzierten Untersuchungen und oft komplexen Behandlungen von fragilen Objekten. Man lernt Herstellungstechniken, Schadensbilder zu erkennen und arbeitet oft an der Weiter- oder Neuentwicklung von Restaurierungsmethoden um   Behandlungen von Objekten zu optimieren. Der Beruf bietet also viele dauerhaft wirksame Anreize zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Materialität historischen Kulturguts.

Was sind die Wissensgebiete im Einzelnen? Umfassend gebildete Entscheidungsfähigkeit ist ein das entscheidende Fundament der wissenschaftlichen Expertise von Restauratoren. Sie beinhaltet:

1. Profunde historische und historisch-technische Kenntnisse über künstlerische, handwerkliche und industrielle Entstehungs- und Fertigungsprozesse für eine materialtechnische Bewertung von Objekten unter Berücksichtigung des Alterungsverhaltens verarbeiteter Werkstoffe und der vorherigen, die Alterung häufig beeinflussenden historischen Nutzung der Objekte

2. Fundierte naturwissenschaftliche und materialtechnische Kenntnisse historischer Objekte und moderner Werkstoffe der Restaurierung sind notwendig, um einerseits unterschiedlichste Schäden richtig einzuschätzen und andererseits passende  Restaurierungsmaßnahmen auszuwählen

3. Fachlich differenzierte manuelle Fähigkeiten in den modernsten restauratorischen Methoden auch unter Anwendung verschiedenster Spezialgeräte sind erforderlich um adäquate Maßnahmen der Konservierung und Restaurierung erfolgreich anzuwenden.

4. Vermitteln und Umsetzen der restauratorischen Grundsätze in der Kulturguterhaltung in der Synthese der oben genannten Wissensgebiete.

Was machen Papierrestauratoren in ihrer täglichen Arbeit? Oft arbeiten sie konzentriert an einzelnen Objekten, aber oft geschieht ihre Arbeit in engem Austausch mit Besitzern und an Sammlungen tätigen Kustoden, und in Zusammenarbeit mit Spezialisten in Ausstellungsvorbereitungen, auch oft an verschiedenen Institutionen. Papierrestauratoren:

führen materialtechnische Begutachtungen von Objekten durch

erforschen historische Objekte

entwickeln neue Restaurierungsmethoden

realisieren umfassende und oft komplexe Eingriffe an Kulturgut auf Papier und Pergament

gestalten  Abläufe in Konservierungs- und Restaurierungsprojekten

beraten Privatbesitzer und Sammlungen

konzipieren und realisieren präventive Konservierungskonzepte

wirken in Ausstellungsprojekten mit.

 

Wie wird man Papierrestaurator? Das BA-Studium, das mit einem darauf folgenden MA-Studium vertieft und mit einer Thesis abgeschlossen wird, ist Grundsatz für eine eigenverantwortliche Tätigkeit, wie sie im Stuttgarter Studium vermittelt wird.

 

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