Das Fachgebiet

Papierrestaurierung ist ein wissenschaftlicher und praxisorientierter Beruf (engl. „paper conservator“). Der Weg zum fachlich qualifizierten Restaurator erfolgt über ein insgesamt fünfjähriges BA- und MA-Studium. Mit diesem Studium erwirbt man sich die notwendige Qualifikation für die materiell einzigartig tiefgreifende Arbeit mit historischen Objekten. Fachlich so ausgebildete Papierrestauratoren sind wichtige Partner für öffentliche und private Sammlungen. In Museen, Archiven und Bibliotheken sind sie verantwortlich für die Erhaltung, Untersuchung und Instandsetzung unterschiedlichster schriftlicher und bildlicher Zeugnisse aus Kunst- und Kulturgeschichte auf Papier und Pergament.

Wie wird man Papierrestaurator? Das Stuttgarter BA-Studium legt das wesentliche Fundament in allen theoretischen und praktischen Grundlagen. Darauf aufbauend wird das Wissen im MA-Studium vertieft und erweitert und mit einer MA-Thesis abgeschlossen. Denn nur ein fachlich differenziertes Studium vermittelt das notwendige Wissen gemäß den E.C.C.O. Richtlinien Kompetenzen für den Zugang zum Beruf des Konservator-Restaurators (2. Aufl. 2013) für die eigenverantwortlichenTätigkeit mit dem MA-Abschluss. Stuttgarter Studierende leisten auch schon im Verlauf ihres Studiums viele Beiträge zur Entwicklung des Berufsfeldes (s. Aktuelles, BA- und Abschlussarbeiten, sonstige Publikationen).

Um was für Objekte und Materialien geht es? Papier und Pergament werden as Trägermaterialien seit rund 2000 Jahren vielfältig genutzt, für Handschriften, Druckgraphiken, Bücher, Pergamenturkunden, Zeichnungen, Plakate, Spielkarten, Papierkleider, Globen, Hutschachteln, Faltfächer und vieles mehr. Sie tragen unterschiedlichste Tuschen, Tinten, Stifte und sonstige Malmittel sowie eine Vielzahl graphischer Techniken, die jeweils besondere Erhaltungsstrategien erfordern.

Was für Spezialisierungen gibt es in der Papierrestaurierung? Papierrestauratoren sind heute als Experten in Fachgebieten spezialisiert. Der Name des Studiengangs weist auf die Spezialisierungen hin, die am Studiengang gelehrt und vertreten werden: die Restaurierung von Kunst auf Papier, von Archivgut und Bibliotheksgut.

Was macht den Beruf so interessant? Zu den restauratorischen Aufgabengebieten gehört die präventive Konservierung, die der Schadensprävention in der Lagerung, Nutzung und Transport gewidmet ist, die Sicherung bereits beschädigter Objekte zur Verhinderung weiterer Schäden, und die Restaurierung bzw. Instandsetzung, die über die notwendige Sicherung hinaus störende Spuren der Alterung verringert, um die Aussagekraft des Originals zu verbessern.

Restauratoren haben ein historisch, naturwissenschaftlich und technisch fundiertes Verständnis der Materialität historischer Objekte. Sie verfügen über ein hohes Maß an Kreativität in der Steuerung von restauratorischen Maßnahmen. Für alle Eingriffe, die direkt am Objekt erfolgen, sind hochspezialisierte manuelle Fähigkeiten erforderlich sowie ein ausgeprägtes Verständnis für die ebenso wichtigen Fragen der kulturhistorischen Bewertung gealterter Erscheinungsbilder; auch die Funktionalität beweglicher Objekte, z.B. von Büchern oder Fächern, wird bei Erhaltungsmaßnahmen berücksichtigt. Restauratorische Ziele sind gegenüber Auftraggebern oder Partnern in der Kulturguterhaltung und -nutzung zu vermitteln.

Gefragt ist ein tiefgehendes Interesse an differenzierten Untersuchungen und oft komplexen Behandlungen von fragilen Objekten. Man lernt historische Herstellungstechniken und Schadensbilder zu erkennen und arbeitet oft an der Weiter- oder Neuentwicklung oder Optimierung von Restaurierungsmethoden. Der Beruf bietet daher viele dauerhaft wirksame Anreize zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Materialität historischen Kulturguts.

Was sind die Wissensgebiete im Einzelnen? Umfassend gebildete Entscheidungsfähigkeit ist ein das entscheidende Fundament der wissenschaftlichen Expertise von Restauratoren. Sie beinhaltet:

1. Profunde historische und historisch-technische Kenntnisse über künstlerische, handwerkliche und industrielle Entstehungs- und Fertigungsprozesse für eine materialtechnische Bewertung von Objekten unter Berücksichtigung des Alterungsverhaltens verarbeiteter Werkstoffe und der vorherigen, die Alterung häufig beeinflussenden historischen Nutzung der Objekte

2. Fundierte naturwissenschaftliche und materialtechnische Kenntnisse historischer Objekte und moderner Werkstoffe der Restaurierung sind notwendig, um einerseits unterschiedlichste Schäden richtig einzuschätzen und andererseits passende  Restaurierungsmaßnahmen auszuwählen

3. Fachlich spezialisierte manuelle Fähigkeiten auf Basis der modernsten restauratorischen Methoden, auch unter Anwendung verschiedenster Spezialgeräte, sind erforderlich, um Maßnahmen der Konservierung und Restaurierung passend für historische Objekte einzuschätzen und erfolgreich anzuwenden.

4. Vermitteln und Umsetzen der restauratorischen Grundsätze in der Kulturguterhaltung in der Synthese der oben genannten Wissensgebiete.

Was machen Papierrestauratoren in ihrer täglichen Arbeit? Oft arbeiten sie konzentriert an einzelnen Objekten, aber oft geschieht ihre Arbeit in engem Austausch mit Besitzern und an Sammlungen tätigen Kustoden, und in Zusammenarbeit mit Spezialisten in Ausstellungsvorbereitungen, auch oft an verschiedenen Institutionen. Papierrestauratoren:

führen materialtechnische Begutachtungen von Objekten durch

erforschen historische Objekte

entwickeln neue Restaurierungsmethoden

realisieren umfassende und oft komplexe Eingriffe an Kulturgut auf Papier und Pergament

gestalten  Abläufe in Konservierungs- und Restaurierungsprojekten

beraten Privatbesitzer und Sammlungen

konzipieren und realisieren präventive Konservierungskonzepte

wirken in Ausstellungsprojekten mit.

 

 

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