BERUFSBILD

Papierrestaurierung (engl. „paper conservation“) ist ein wissenschaftlich differenzierter praktischer Beruf mit einem interdisziplinär ausgeprägten Fundament und unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen. Fachlich in einem fünfjährigen Studium ausgebildete und auf einen Bereich spezialisierte Papierrestauratoren sind verantwortlich für die Erhaltung, Untersuchung und Instandsetzung von wertvollen künstlerischen und historischen Zeugnissen der Kulturgeschichte. Sie sind ein wichtiger Partner für die Arbeit mit Originalen in allen öffentlichen und privaten Sammlungen.

Um was für Materialien und Objekte geht es? Papier ist das wesentliche, seit rund 2000 Jahren vielfältig genutzte Trägermaterial für Druckgraphiken, Zeichnungen, Handschriften, Plakate, Spielkarten, Papierkleider, Globen, Hutschachteln, Faltfächer, Bücher, Urkunden und vieles mehr. So vielfältig wie die über Jahrhunderte entwickelten Erscheinungsformen von Papier sind die für das Drucken, Zeichnen und Schreiben verwendeten Farbmittel: Tuschen, Tinten, Kreiden, Aquarellfarben, Pastellstifte und sonstige Malmittel sind in einer Vielzahl graphischer Techniken verwendet worden.

Was für Spezialisierungen gibt es in der Papierrestaurierung? Papierrestauratoren sind als Experten in verschiedenen Fachgebieten spezialisiert, die schon im Lauf des Studiums ausgebildet werden. Das ist wichtig, weil nur über eine Spezialisierung – in Stuttgart sind es Kunstwerke auf Papier, aber auch Bücher und Archivalien werden behandelt – ein objektbezogenes, materialtechnisch und historisch-ästhetisches Wissen ausgebildet werden kann, das für eine optimale Erhaltung der entsprechenden Objektgattungen entscheidend ist.

Was macht den Beruf so interessant? Zu den restauratorischen Aufgabengebieten gehört die präventive Konservierung, die der Schadensprävention in der Lagerung, Nutzung und Transport gewidmet ist, die Sicherung bereits beschädigter Objekte zur Verhinderung weiterer Schäden, und die Restaurierung bzw. Instandsetzung, die über die notwendige Sicherung hinaus störende Spuren der Alterung verringert, um die Aussagekraft des Originals zu verbessern.

Was sind die Wissensgebiete im Einzelnen und woran orientiert sich das Stuttgarter Studium? Eine umfassend gebildete Entscheidungsfähigkeit ist das entscheidende Fundament der wissenschaftlichen Expertise von Restauratoren. Sie beinhaltet:

1. Profunde historische und historisch-technische Kenntnisse über künstlerische, handwerkliche und industrielle Entstehungs- und Fertigungsprozesse; diese werden genutzt für eine materialtechnische Bewertung von Objekten unter Berücksichtigung des Alterungsverhaltens der verarbeiteten Werkstoffe und der Nutzungsgeschichte der Objekte, deren Einfluss mitbestimmend auf die Alterung wirkt

2. Fundierte naturwissenschaftliche und materialtechnische Kenntnisse historischer und moderner Werkstoffe sind notwendig, um unterschiedlichste Schäden an Objekten richtig einzuschätzen zu können und passende Restaurierungsmaßnahmen auszuwählen

3. Hochspezialisierte manuelle Fähigkeiten auf Basis der modernsten restauratorischen Methoden, auch unter Anwendung verschiedenster Spezialgeräte, sind erforderlich, um Maßnahmen der Konservierung und Restaurierung passend auszuwählen und erfolgreich anzuwenden.

4. Vermitteln und Umsetzen der restauratorischen Grundsätze in der Kulturguterhaltung in der Synthese der oben genannten Wissensgebiete in einem interdisziplinären Arbeitsumfeld.

Was machen Papierrestauratoren in ihrer täglichen Arbeit? Sie arbeiten zwar auch oft konzentriert an einzelnen Objekten, sind aber auch für den weitverzweigten Zusammenhang präventiver Konservierung zuständig, der zur Erhaltung ganzer Sammlungen viele Objekte übergreifend erfasst. Ihre Arbeit geschieht immer im Austausch mit Besitzern und Kustoden in Sammlungen, und erfordert oft eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Spezialisten, die z.B. bei Ausstellungen für eine erfolgreiche Realisierung zuständig sind. Papierrestauratoren:

führen materialtechnische Begutachtungen von Objekten durch

erforschen historische Objekte

entwickeln neue Restaurierungsmethoden

realisieren umfassende und oft komplexe Eingriffe an Objekten

gestalten  Abläufe in Konservierungs- und Restaurierungsprojekten

beraten Privatbesitzer und Sammlungen

konzipieren und realisieren präventive Konservierungskonzepte

wirken in Ausstellungsprojekten mit.